Gründung und Alter
Zülpich geht auf die römische Siedlung Tolbiacum zurück, die am Kreuzungspunkt wichtiger Fernstraßen lag. Die schriftliche Erstnennung fällt in das Jahr 70 n. Chr. Bei Tacitus. Im Frühmittelalter erscheint der Ort in den Quellen unter wechselnden Namensformen und Bezeichnungen wie civitas und castrum; die heutige Gesamtstadt entstand wesentlich durch die kommunale Neugliederung zum 1. Juli 1969. Der Zülpicher Geschichtsverein betont zudem eine nahezu 2000-jährige Siedlungskontinuität im Stadtgebiet; die ältesten römischen Funde im Bereich des Markts datieren in die erste Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. Der Rheinische Städteatlas datiert die Entwicklung des stadtähnlichen vicus Tolbiacum seit der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. und die Befestigung mit einem Mauerring auf den Anfang des 4. Jahrhunderts. Die Pfarrkirche St. Peter ist für 848 bei Wandalbert von Prüm urkundlich belegt; der historische Kirchenbau wurde am Heiligabend 1944 weitgehend zerstört und in den 1950er Jahren nach Plänen von Karl Band wiedererrichtet. Zum Chlodwigjahr 1996 fanden laut KuLaDig Ausstellungen und auf Burg Langendorf ein internationales Historikerkolloquium statt; 1999 wurde nahe der Burg die Chlodwig-Stele von Ulrich Rückriem eingeweiht.
Eine klassische Gründungsurkunde ist nicht belegt. Die Siedlung entwickelte sich als offene Marktsiedlung (vicus Tolbiacum) an römischen Fernstraßen; ab dem 2. Jahrhundert ist eine Benefiziarierstation bezeugt. Die ursprünglich offene Siedlung wurde wahrscheinlich im 4. Jahrhundert teilweise befestigt. Laut Rheinischem Städteatlas begann die Stadtwerdung Mitte des 13. Jahrhunderts und war in den 1280er Jahren abgeschlossen; der 1275/79 begonnene Bau der ersten Stadtbefestigung wurde nach 1350 durch eine Mauer ersetzt. In französischer Zeit verlor Zülpich seine städtische Rechtsstellung und erlangte diese 1856 durch die Verleihung der Rheinischen Städteordnung wieder. Bedingt durch Stadtbrände und Kriegsfolgen sank die Bedeutung Zülpichs laut Rheinischem Städteatlas seit dem 17. Jahrhundert.
In römischer Zeit war Tolbiacum Vicus und Straßenknoten mit Badeanlage und Matronenverehrung. Fränkische Grabfelder und Königsnähe prägen das Frühmittelalter; 531 erscheint der Ort als civitas. Im selben Jahrhundert wird laut Zülpicher Geschichtsverein die Peterskirche auf dem Mühlenberg erstmals urkundlich erwähnt (848 n. Chr.); BauKunst NRW und der Seelsorgebereich Zülpich nennen als Beleg Wandalbert von Prüm. Im Hoch- und Spätmittelalter entwickelte sich eine befestigte Stadt; die sichtbare Stadtbefestigung stammt überwiegend aus dem 14. Jahrhundert und steht teilweise auf römischen Fundamenten. Die Kurkölnische Landesburg auf dem Mühlenberg wurde nach Einlösung eines Pfands unter Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden nach 1369 anstelle eines jülichischen Vorgängerbaus errichtet und zählt zu den letzten vier erhaltenen kurkölnischen Landesburgen des 14. Jahrhunderts im Rheinland. 1864 erfolgte der Eisenbahnanschluss an die Strecke Euskirchen–Düren. Am 1. Juli 1969 wurden die Stadt Zülpich und zahlreiche Umlandgemeinden zur neuen Stadt Zülpich zusammengeschlossen; der Rheinische Städteatlas fasst die kommunale Neugliederung als Zusammenschluss 1969/72. Heute umfasst die Stadt laut eigener Statistik die Kernstadt und 24 weitere Ortschaften; die städtische Ortsteilliste führt unter anderem Bessenich, Bürvenich, Dürscheven, Enzen, Füssenich, Geich, Hoven, Langendorf, Merzenich, Nemmenich, Rövenich, Sinzenich, Ülpenich, Weiler in der Ebene und Wichterich. Bis ins 19. Jahrhundert war laut Rheinischem Städteatlas neben Acker- und Viehwirtschaft auch der Weinbau von Belang. Die römischen Thermen wurden Ende der 1920er Jahre entdeckt und im darauffolgenden Jahrzehnt ausgegraben; als Museum der Badekultur wurden sie nach Neuaufbereitung öffentlich neu zugänglich gemacht. Die Martinskirche erhielt 1208 das Pastorat an die Abtei Steinfeld (Schenkung Graf Lothars von Ahr und Hochstaden) und blieb dort bis 1802. Nach dem neuen Mauerring um 1279 unter Erzbischof Sigfrid von Westerburg wurde die alte Kirche abgerissen und 1285 innerhalb der Stadtmauern wieder aufgebaut. Im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt, brannte der Turm 1952 vollständig aus; heute dient das restaurierte Baudenkmal als Bürgerbegegnungsstätte. Laut Stadtführungsseite der Stadt wird die Schlacht bei Zülpich auf der nahegelegenen Wollersheimer Heide verortet; in Paris erinnert die Rue de Tolbiac an den lateinischen Ortsnamen.
| Jahr | Titel | Beschreibung |
|---|---|---|
| 70 n. Chr. | Schriftliche Erstnennung als Tolbiacum | Tacitus erwähnt Tolbiacum im Zusammenhang mit dem Bataveraufstand; der Beleg ist die früheste gesicherte schriftliche Nennung des Ortes. |
| 2. Jahrhundert | Benefiziarierstation | Ab dem 2. Jahrhundert ist in Tolbiacum eine Benefiziarierstation, also ein militärischer Wachtposten an den Fernstraßen, belegt. |
| 4. Jahrhundert | Teilweise Befestigung der Siedlung | Die ursprünglich offene Marktsiedlung wurde wahrscheinlich im 4. Jahrhundert teilweise befestigt; der vermutete Kastellbereich liegt auf dem Mühlenberg. |
| 531 | Bezeichnung als civitas | In den merowingischen Quellen erscheint der Ort 531 als Tulbiacum und wird als civitas bezeichnet. |
| um 1275/79 | Mittelalterliche Stadtbefestigung | Im Zusammenhang mit der ersten mittelalterlichen Stadtbefestigung wird um 1275/79 unter Erzbischof Sifrid von Köln Bautätigkeit innerhalb der Mauern des Römerkastells bezeugt. |
| 1864 | Eisenbahnanschluss | Zülpich erhielt 1864 Anschluss an die Eisenbahnstrecke Euskirchen–Düren und damit eine moderne Verkehrsanbindung im Bördenraum. |
| 1. Juli 1969 | Kommunale Neugliederung zur neuen Stadt Zülpich | Zum 1. Juli 1969 wurden die bisherige Stadt Zülpich sowie unter anderem Weiler in der Ebene, Rövenich, Bessenich, Oberelvenich, Nemmenich, Dürscheven, Ülpenich, Enzen, Linzenich-Lövenich, Sinzenich, Merzenich und Langendorf zur Stadt Zülpich zusammengeschlossen. |
| 2014 | Landesgartenschau Zülpich | Die NRW-Landesgartenschau 2014 machte den Seepark am Wassersportsee und den Park am Wallgraben zu zentralen Freizeit- und Tourismusflächen; sie zählte über 500.000 Besucher. Laut Berichterstattung der Wirtschaft Eifel war Zülpich die bis dahin kleinste Stadt, die jemals eine Landesgartenschau in NRW ausgerichtet hat. |
| 1. Hälfte 1. Jahrhundert n. Chr. | Älteste römische Funde am Markt | Der Zülpicher Geschichtsverein datiert die ältesten römischen Funde im Bereich des Markts in die erste Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. und sieht darin frühe Belege der Siedlungskontinuität. |
| spätes 2. Jahrhundert | Inbetriebnahme der römischen Thermen | Die öffentliche Badeanlage von Tolbiacum wurde laut KuLaDig im späten 2. Jahrhundert in Betrieb genommen und mindestens bis ins frühe 4. Jahrhundert genutzt; sie gilt als besterhaltene Thermenanlage ihrer Art nördlich der Alpen. |
| 848 | Erste urkundliche Erwähnung der Peterskirche | Laut Zülpicher Geschichtsverein wird die Peterskirche auf dem Mühlenberg im Jahr 848 n. Chr. erstmals urkundlich erwähnt. BauKunst NRW und der Seelsorgebereich Zülpich nennen als Beleg Wandalbert von Prüm. |
| 925 | Belagerung im Kontext Heinrichs I. | Der Zülpicher Geschichtsverein nennt für 925 die erfolgreiche Belagerung des Großherzogs von Lothringen durch König Heinrich I., den ersten König aus sächsischem Geschlecht, als herausragendes Ereignis der Ortsgeschichte. |
| Mitte 13. Jahrhundert bis 1280er Jahre | Stadtwerdung Zülpichs | Nach dem Rheinischen Städteatlas begann die Stadtwerdung Mitte des 13. Jahrhunderts und war in den 1280er Jahren abgeschlossen. |
| um 1275/79 bzw. ab 1278 | Mittelalterliche Stadtbefestigung | Im Zusammenhang mit der ersten mittelalterlichen Stadtbefestigung wird um 1275/79 unter Erzbischof Sifrid von Köln Bautätigkeit innerhalb der Mauern des Römerkastells bezeugt. BauKunst NRW datiert den Bau der Wehranlagen ab 1278 unter Erzbischof Siegfried von Westerburg auf Fundamenten römischer Vorgängerbauten. |
| 14. Jahrhundert | Mauerring mit vier Stadttoren | Die den Stadtkern umschließende mittelalterliche Mauer mit ihren vier Stadttoren wurde im 14. Jahrhundert errichtet; Zülpich gehört laut Geschichtsverein zu den wenigen Städten in NRW mit noch geschlossenem mittelalterlichem Mauerring. |
| 1856 | Verleihung der Rheinischen Städteordnung | Nachdem Zülpich in französischer Zeit seine städtische Rechtsstellung verloren hatte, erlangte es diese 1856 durch die Verleihung der Rheinischen Städteordnung wieder. |
| 1972 | Städtepartnerschaft mit Blaye | Aus einem 1970 von Schulleiter Dr. Theo Rohr initiierten Schüleraustausch entstand die Städtepartnerschaft mit Blaye in Frankreich, die 1972 von den Bürgermeistern Josef Peiffer und Gérard Grasilier beurkundet wurde. |
| 2006/2007 | Eröffnung Museum der Badekultur | Architekturreste der Thermen und Teile der spätantiken Stadtmauer wurden im 2006/2007 eröffneten Museum „Römerthermen Zülpich – Museum der Badekultur“ integriert. museum-digital:rheinland nennt die Neuaufbereitung und Eröffnung des Museums der Badekultur für das Jahr 2008. |
| 2024 | Eröffnung Hubert-Salentin-Museum | Am 30. September 2024 eröffnete in Zülpich das von der Manfred Vetter-Stiftung getragene Hubert-Salentin-Museum; es präsentiert die Salentin-Sammlung der Stiftung und die Sammlung der Stadt Zülpich. |
| Mitte 1. Jahrhundert n. Chr. | Entwicklung des vicus Tolbiacum | Laut Rheinischem Städteatlas entwickelte sich am Kreuzungspunkt wichtiger römischer Fernstraßen seit der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. der stadtähnliche Ort vicus Tolbiacum. |
| Anfang 4. Jahrhundert | Mauerring um die Siedlung | Der Rheinische Städteatlas datiert die Befestigung der Siedlung mit einem Mauerring auf den Anfang des 4. Jahrhunderts. |
| nach 1369 | Neubau der Kurkölnischen Landesburg | Nach Einlösung eines Pfands ließ Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden nach 1369 den jülichischen Vorgängerbau durch die heute sichtbare gotische Kastellburg ersetzen. |
| 17. Jahrhundert | Bedeutungsverlust durch Brände und Kriege | Laut Rheinischem Städteatlas sank die Bedeutung Zülpichs seit dem 17. Jahrhundert bedingt durch Stadtbrände und Kriegsfolgen. |
| 2003 | Private Übernahme der Landesburg | Private Investoren übernahmen 2003 die Kurkölnische Landesburg und restaurierten sie etappenweise; seither sind Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe sowie die Zülpicher Geschichtswerkstatt auf dem Burggelände angesiedelt. |
| 2005 | Premiere des Zülpicher Chlodwiglaufs | Seit seiner Premiere 2005 ist der Zülpicher Chlodwiglauf laut Stadt ein fester Bestandteil im Sportkalender des Kreises Euskirchen; er zählt mit teilweise mehr als 1.500 Startern zu den teilnehmerstärksten Laufveranstaltungen der Region. |
| 1602 | Abschluss des Spicilegium in Tolbiacum | Der Zülpicher Hochgerichtsschöffe, Ratsherr und zweimalige Bürgermeister Heinrich Rost beendete 1602 sein Manuskript „Spicilegium in Tolbiacum“, eine zentrale Quelle zur Rechts-, Wirtschafts- und Stadtgeschichte Zülpichs. |
| 1454 | Bau der Gasthauskapelle | Die Gasthauskapelle wurde laut Seelsorgebereich Zülpich 1454 aus Buntsandstein erbaut und an das 1350 erstmals erwähnte erste Zülpicher Hospital für Arme, Krüppel und Blinde angebaut. |
| Ende der 1920er Jahre | Entdeckung der römischen Thermen | Laut museum-digital:rheinland wurden die römischen Thermen Ende der 1920er Jahre entdeckt und im darauffolgenden Jahrzehnt ausgegraben; zunächst blieben sie als Teil des Propsteimuseums weithin unbekannt. |
| 24. Dezember 1944 | Zerstörung der Pfarrkirche St. Peter | Beim alliierten Bombenangriff am Heiligabend 1944 wurde die historische Pfarrkirche St. Peter laut BauKunst NRW und Seelsorgebereich Zülpich weitgehend bzw. vollständig zerstört; erhalten blieb die romanische Krypta. |
| 1953–1957 | Wiederaufbau und Weihe von St. Peter | Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte der Wiederaufbau nach Plänen von Karl Band; die Grundsteinlegung fällt laut BauKunst NRW und Seelsorgebereich in das Jahr 1953, der Glockenturm war 1957 fertiggestellt und die Kirche wurde geweiht. |
| 1670 | Errichtung der Rochuskapelle | Der Magistrat der Stadt Zülpich ließ 1670 laut Seelsorgebereich Zülpich die Kapelle zu Ehren des heiligen Rochus errichten, nachdem von 1666 bis 1669 in Zülpich 350 Menschen an der Pest gestorben waren. |
| 1988 | Städtepartnerschaft mit Elst | Seit 1988 besteht laut Stadt Zülpich die Städtepartnerschaft mit dem niederländischen Ort Elst, der heute zur Gemeinde Overbetuwe gehört. |
| 2014–2019 | Beginn der Leuchtenden Gärten | Das Lichterfest „Leuchtende Gärten“ findet laut Seepark Zülpich und Stadt bereits seit der Landesgartenschau 2014 statt; von 2014 bis 2019 wurde es im Park am Wallgraben von World of Lights inszeniert. |
| 01.08.2017 | Trägerwechsel der Stephanusschule | Die Förderschule Stephanusschule wechselte laut Stadt Zülpich zum 1. August 2017 in die Trägerschaft des Kreises Euskirchen. |
| 1208 | Pastorat der Martinskirche an Abtei Steinfeld | Graf Lothar von Ahr und Hochstaden schenkte 1208 das Pastorat über die Martinskirche der Abtei Steinfeld; es blieb dort bis 1802. |
| 1285 | Wiederaufbau der Martinskirche innerhalb der Stadtmauern | Nachdem Erzbischof Sigfrid von Westerburg um 1279 einen neuen Mauerring anlegen ließ, wurde die alte Martinskirche abgerissen und 1285 innerhalb der Stadtmauern wieder aufgebaut. |
| 1952 | Turmbrand der Martinskirche | Im Jahr 1952 brannte der Turm der Martinskirche vollständig aus; das Gebäude galt nach Kriegszerstörungen lange als dem Verfall preisgegeben und wurde später als restauriertes Denkmal wiederhergestellt. |
| 14.–19.08.1978 | Erste Kontakte zur finnischen Gemeinde Kangasala | Stadtdirektor Wolfram Ander knüpfte beim Partnerschaftsseminar in Tampere erste Kontakte mit Kangasala; vorausgegangen war im Dezember 1977 ein Besuch finnischer Jugendleiter im Rahmen des Internationalen Jugendaustausches. |
| 17.07.1993 / 18.06.1994 | Städtepartnerschaft mit Kangasala | Am 17. Juli 1993 fand der erste Akt der Verschwisterung in Kangasala statt; am 18. Juni 1994 wurde die Partnerschaft in Zülpich bestätigt. |
| 1996 | Chlodwigjahr in Zülpich | Zum 1500-jährigen Gedenken an die sagenumwobene Schlacht bei Zülpich und die Taufe Chlodwigs fanden 1996 Ausstellungen und auf Burg Langendorf ein internationales Historikerkolloquium statt. |
| 1999 | Einweihung der Chlodwig-Stele von Ulrich Rückriem | Manfred Vetter und Prof. Henrik Hanstein ließen zur Erinnerung an das Chlodwigjahr 1996 die über sieben Meter hohe Granit-Chlodwig-Stele von Ulrich Rückriem nahe Burg Langendorf anfertigen und 1999 einweihen. |
| 18.12.2024 | Spatenstich Hochwasserabschlag in den Wassersportsee | Am 18. Dezember 2024 begannen die Bauarbeiten des Erftverbandes für einen Hochwasserabschlag vom Vlattener Bach zwischen Floren und Lövenich in den Wassersportsee mit rund 800.000 m³ Retentionsvolumen. |