GrĂĽndung und Alter
Unterhalb der 1198 erstmals urkundlich genannten Burg Schleiden entstand der gleichnamige Ort. Seit 1360 wird Schleiden als Stadt bezeichnet; ein mittelalterliches Stadtrechtsdokument besitzt die Stadt nach eigener Darstellung nicht. Die heutige Stadt mit achtzehn Ortsteilen wurde mit der kommunalen Neugliederung zum 1. Januar 1972 gebildet. Die achtzehn Orte (Berescheid, Broich, Bronsfeld, Dreiborn, Ettelscheid, Gemünd, Harperscheid, Herhahn, Kerperscheid, Morsbach, Nierfeld, Oberhausen, Olef, Scheuren, Schleiden, Schöneseiffen, Wintzen und Wolfgarten) entstanden laut Stadtgeschichte nicht vor der hochmittelalterlichen Rodungszeit und tragen darum rein deutsche Namen. Eine Urkunde von 1309, in der dem Schleidener Edelherrn gestattet wird, in seinem Burgbereich Juden aufzunehmen, lässt nach der Stadtgeschichte vermuten, dass Schleiden damals bereits Handelsplatz war.
Ein Dokument über eine Stadtrechtsverleihung bereits im Mittelalter besitzt Schleiden nach der offiziellen Stadtgeschichte nicht. Seit 1360 wird der Ort jedoch wiederholt als Stadt bezeichnet; 1575 erhielt Schleiden ein kaiserliches Marktprivileg. Preußen erkannte Schleiden 1843 als Stadt an und verlieh 1856 endgültig die Rheinische Städteordnung. Die heutige Stadt entstand am 1. Januar 1972 aus den bisherigen Städten Gemünd und Schleiden sowie den Verwaltungseinheiten Dreiborn und Harperscheid (mit weiteren Eingliederungen). Bereits 1271 wurde Konrad II. von Schleiden luxemburgischer Lehnsmann; 1360 wurde die „Statt“ Schleiden Jülicher Lehen. Nach dem Aussterben des Hauses Schleiden im Mannesstamm (1434) gelangte die Herrschaft über Nassau an die Grafen von Manderscheid (1451). Ludwig XIV. annektierte 1682 im Rahmen seiner Reunionspolitik auch das Schleidener Land; nach den Zerstörungen der Burg entstand im 18. Jahrhundert ein unbefestigtes Schloss, zu dem um 1744 der Couvenbau gehört.
Schleiden war Mittelpunkt einer Herrschaft beziehungsweise Grafschaft und lange luxemburgisches Lehen; 1829 wurde der Kreissitz nach Schleiden verlegt (Kreis Schleiden). Vom 15. bis 19. Jahrhundert war das Schleidener Tal Zentrum einer bedeutenden Eisenindustrie. Mit Bahnanschluss, Eifelverein und Bau der Urfttalsperre gewann der Fremdenverkehr an Bedeutung. 1972 verlor Schleiden den Status als Kreisstadt, wurde aber gebietsmäßig erheblich vergrößert. Parallel entwickelten sich im heutigen Stadtgebiet die Unterherrschaft Dreiborn (Schloss erstmals 1334) und Gemünd (Erstnennung 1213) mit eigener Territorialgeschichte bis zur Französischen Revolution. 1795 wurde die Grafschaft Schleiden als luxemburgisches Gebiet dem französischen Staat einverleibt; Gemünd kam 1798 (endgültig 1801) an Frankreich. Im Winter 1944/45 standen Schleiden und Umgebung laut Volksbund unter schwerem Artilleriebeschuss; Schloss und zahlreiche Bauten wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Ab 1951 wurde das Schloss nach alten Plänen rekonstruiert; 1978 wurde die Stadt als Kneipp-Kurort staatlich anerkannt.
| Jahr | Titel | Beschreibung |
|---|---|---|
| 1198 | Erstnennung der Burg Schleiden | Die Burg wird urkundlich als „castrum Sleyda“ erwähnt; darunter entstand die Siedlung Schleiden. |
| 1360 | Bezeichnung als Stadt | Seit 1360 wird Schleiden wiederholt als Stadt bezeichnet; die „Statt“ Schleiden wurde zudem Jülicher Lehen. |
| 1418 | Erwähnung der Stadtmauer | Eine Stadtmauer wird für Schleiden bereits 1418 erwähnt. |
| 1575 | Kaiserliches Marktprivileg | Schleiden erhielt ein kaiserliches Marktprivileg, das für „seine Stadt“ erbeten und der „Stadt“ verliehen worden war. |
| 1829 | Kreisstadt Schleiden | Der Sitz des Kreises wurde nach Schleiden verlegt; der Kreis hieĂź fortan Kreis Schleiden. Schleiden blieb bis 1971 Kreisstadt. |
| 1856 | Rheinische Städteordnung | Schleiden bekam die Rheinische Städteordnung verliehen, nachdem es bereits 1843 im Städtegremium des Provinziallandtages vertreten war. |
| 1901–1905 | Bau der Urfttalsperre | Mit dem Bau der Urfttalsperre setzte laut Rheinischem Städteatlas der Tourismus stärker ein; die Stadtgeschichte nennt den Zeitraum 1901–1905. Nordeifel-Tourismus nennt den Bau zwischen 1900 und 1905 und bezeichnet die Urfttalsperre zum Fertigstellungszeitpunkt als damals größte Talsperre Europas. |
| 1972 | Kommunale Neugliederung | Zum 1. Januar 1972 entstand die heutige Stadt Schleiden aus GemĂĽnd, Schleiden, Dreiborn und Harperscheid; zugleich endete die Funktion als Kreisstadt. |
| 1145 | Älteste Urkunde des Stadtgebiets | König Konrad III. schenkte das Rodungsland Walberhof („Walebure“) in Überruhr dem Kloster Steinfeld; die Stadtgeschichte bezeichnet dies als älteste Urkunde des Stadtgebiets. |
| 1213 | Erstnennung Gemünd | Gemünd („Gemunde“) wird erstmals urkundlich genannt, als Hermann von Jünkerath dem Kloster Steinfeld unter anderem einen Wald bis zur Brücke am Zusammenfluss von Urft und Olef vermachte. |
| 1252 | Erstnennung des Ortes Olef | Der Ortsname Olef ist urkundlich mit „Silmannus de Olefe“, einem Schleidener Ministerialen, belegt; der Flussname erscheint bereits 1130. |
| 1334 | Erstnennung Schloss Dreiborn | Das Schloss „Troys Fontainez“ (Dreiborn) wird erstmals erwähnt; Graf Wilhelm V. von Jülich nahm es von König Johann von Böhmen aus dem Hause Luxemburg zu Lehen. |
| 1451 | Manderscheid-Schleiden | Nach dem Aussterben des Hauses Schleiden im Mannesstamm (1434) gelangte die Herrschaft über Erbtöchter an Nassau und 1451 an die Grafen von Manderscheid; die Linie Manderscheid-Schleiden gewann hohes Ansehen. |
| 1603 | Stadtbrand von Schleiden | Am 15. Juli 1603 vernichtete ein Feuer ganz Schleiden unterhalb der Vorburg; in drei Stunden brannten 92 Wohnungen sowie ĂĽber 30 Scheunen und Stallungen ab. |
| 1884 | Bahnanschluss | Mit dem Bahnanschluss (1884) sowie der späteren Gründung des Eifelvereins (1888) und dem Bau der Urfttalsperre wurde der Fremdenverkehr zur wichtigen Lebensgrundlage. Die Bürgerstiftung nennt die Eröffnung der Eisenbahnlinie Kall–Gemünd–Hellenthal, der sogenannten „Flitsch“, für 1884. |
| 1978 | Städtepartnerschaft mit Pont-l’Abbé | Die ehemalige Kreisstadt schloss nach Darstellung der Bürgerstiftung Schleiden europäische Städtefreundschaft mit dem französischen Küstenort Pont-l’Abbé in der Bretagne. |
| 2004 | Gründung Nationalpark Eifel | Der rund 110 Quadratkilometer große Nationalpark Eifel wurde 2004 gegründet; laut Nordeifel-Tourismus liegen knapp 50 Prozent der Stadtfläche Schleidens im Großschutzgebiet. |
| 2006 | Öffnung von Vogelsang | Seit dem 1. Januar 2006 ist Vogelsang wieder für die Öffentlichkeit zugänglich; der frühere Truppenübungsplatz wurde als Teil des Nationalparks der Natur übergeben. |
| 1230 | Kapelle außerhalb der Burg | Seit 1230 bestand laut Stadtgeschichte eine Kapelle außerhalb der Burg an der Stelle der späteren Schlosskirche; der Edelherr brauchte die Steinfelder Mönche für den Gottesdienst in Burg und Kapelle. |
| 1309 | Judenaufnahme im Burgbereich | Eine Urkunde von 1309 gestattet dem Schleidener Edelherrn, in seinem Burgbereich Juden aufzunehmen; die Stadtgeschichte wertet dies als Hinweis darauf, dass Schleiden damals bereits Handelsplatz war. |
| 1682 | Annexion durch Ludwig XIV. | Ludwig XIV. annektierte 1682 im Rahmen seiner Reunionspolitik auch das Schleidener Land; zuvor hatte Luxemburg aus der Lehnshoheit zunehmend eine Landeshoheit entwickelt. |
| 1744 | Couvenbau am Schloss | Um 1744 entstand laut baukunst-nrw der sogenannte Couvenbau als Verbindungsbau zwischen Ost- und Südflügel des Schlosses nach Plänen von Johann Joseph Couven. |
| 1951 | Wiederaufbau Schloss und Kriegsgräberstätte Gemünd | Nach der Kriegszerstörung wurde Schloss Schleiden ab 1951 nach alten Plänen rekonstruiert. Am 16. September 1951 wurde die Kriegsgräberstätte Gemünd auf dem Burghövel eingeweiht. |
| 1955–1959 | Bau der Oleftalsperre | Der Wasserverband Eifel-Rur nennt den Erstausbau der Oleftalsperre im Tal der Olef, acht Kilometer oberhalb der Stadt Schleiden, für die Jahre 1955–1959; die Trinkwassertalsperre dient unter anderem dem Hochwasserschutz. |
| 1958 | Kriegsgräberstätte Kammerwall | Am 16. November 1958 wurde die Kriegsgräberstätte Kammerwall in Schleiden vom Volksbund gemeinsam mit der Stadt eingeweiht; dort ruhen laut Volksbund 436 Kriegstote des Zweiten Weltkriegs. |
| 1978 | Staatlich anerkannter Kneipp-Kurort | Durch Erlass vom 10. Mai 1978 anerkannte der Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen die Stadt Schleiden als Kneipp-Kurort und verlieh die Artbezeichnung „Staatlich anerkannter Kneipp-Kurort“. |