Gründung und Alter
Das Gebiet der heutigen Gemeinde Kall war nach Angaben der Gemeinde bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Urkundlich wird Kall erstmals 1238 erwähnt. Eine eigene Gründungsurkunde der Siedlung selbst ist auf der Gemeindewebsite nicht dokumentiert; die Erstnennung bezieht sich auf die St.-Nikolaus-Kapelle als Filiale der Andreaspfarre der Abtei Steinfeld. 1988 beging die Gemeinde die 750-Jahr-Feier dieser urkundlichen Ersterwähnung. Seit 1974 führt die Gemeinde ein Wappen und Siegel, das die ehemaligen Territorialherren Schleiden und Jülich sowie die Abtei Steinfeld heraldisch zusammenführt. Für den heutigen Ortsteil Sistig belegt das Dorfentwicklungskonzept der Gemeinde eine schriftliche Erwähnung bereits 1214 und die Eingemeindung der bis dahin eigenständigen Gemeinde Sistig nach Kall zum 1. Januar 1970.
Über eine förmliche Gründung der Siedlung Kall liegen auf der offiziellen Gemeindeseite keine Angaben vor. Belegt ist die vorgeschichtliche Nutzung des Raums sowie die römische Präsenz und die mittelalterliche Anbindung an die Abtei Steinfeld über die Nikolaus-Kapelle. Der heutige Gemeindeteil Sistig war bis zum 1. Januar 1970 eine eigenständige Gemeinde und wurde im Zuge der kommunalen Neugliederung nach Kall eingemeindet.
Seit dem 16. Jahrhundert nahmen Eisen- und Bleihütten sowie Bergbau im Urfttal und in Kall eine besondere wirtschaftliche Rolle ein. Mit dem Bau der Eisenbahnstrecken Köln–Trier (1860–1870) und Kall–Hellenthal (1885) wurde das Gebiet verkehrlich erschlossen und entwickelte sich vom ländlichen Dorf stärker zum Industrieort. Der Zweite Weltkrieg unterbrach diese Entwicklung; der Ort Kall war als Verkehrsknoten besonders stark zerstört. Nach dem Krieg folgte nach Darstellung der Gemeinde ein historisch außergewöhnlicher Wiederaufbau. Die Gemeinde nennt neben dem Zweiten Weltkrieg den Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) sowie die französischen Revolutionswirren und die napoleonischen Kriege als weitere schwere historische Einschnitte. Später prägte die Gemeinde neben Wohnen und Wirtschaft auch Tourismus und die Nähe zum Nationalpark Eifel. Im Herbst 2012 beschloss die Gemeinde ein kommunales Klimaschutzkonzept; die öffentliche Vorstellung erfolgte am 22. November 2012. Seit Ende 2012 nimmt Kall am Wettbewerb European Energy Award teil und wurde im Herbst 2015 als erste Kommune im Kreis Euskirchen ausgezeichnet. Seit 2017 ist Kall in die Städtebauförderung des Landes Nordrhein-Westfalen aufgenommen; Grundlage ist ein integriertes Handlungskonzept. Die Flutkatastrophe vom Juli 2021 beschädigte unter anderem Rathaus, Archiv und weitere Infrastruktur schwer und leitete einen mehrjährigen Wiederaufbau ein. Bauleitplanerisch galt zunächst der Flächennutzungsplan aus dem Jahr 1973, der bis zur Neuaufstellung 28 förmliche Änderungen und fünf Berichtigungen erfahren hatte. Der Rat beschloss am 30. September 2003 die Neuaufstellung; der Feststellungsbeschluss fiel am 17. November 2015, die Genehmigung der Bezirksregierung Köln am 11. Mai 2016, und mit öffentlicher Bekanntmachung am 12. August 2016 wurde der neue Flächennutzungsplan wirksam. Ziel war die städtebauliche Weiterentwicklung als Wohn-, Gewerbe- und Dienstleistungsstandort für die folgenden 20 bis 25 Jahre.
| Jahr | Titel | Beschreibung |
|---|---|---|
| 3. Jahrhundert v. Chr. | Keltischer Bergbau und Funde | Nach Angaben der Gemeinde gruben Kelten im 3. Jahrhundert v. Chr. im Gebiet nach Bleierzen. Keltische Lanzenspitzen, Werkzeuge und Münzen wurden in der Umgebung, insbesondere bei Keldenich, gefunden. |
| um 50 v. Chr. | Römische Herrschaft und Eifelwasserleitung | Um 50 v. Chr. nahmen die Römer das Gebiet für fast fünf Jahrhunderte ein. Die römische Wasserleitung von Nettersheim nach Köln führte durch das Gemeindegebiet; die Gemeinde nennt eine einfache Trassenlänge von 95,4 Kilometern und zählt sie zu den längsten Fernwasserleitungen im Imperium Romanum. |
| 1238 | Urkundliche Erstnennung | Kall wird urkundlich erstmals erwähnt: Die St.-Nikolaus-Kapelle erscheint als Filiale der Andreaspfarre der Abtei Steinfeld. |
| bis 1929 | Schreibweise Call | Bis 1929 war „Call“ die amtliche Schreibweise des Gemeindenamens. |
| 1860–1870 / 1885 | Eisenbahnanschluss | Mit dem Bau der Strecke Köln–Trier (1860–1870) und der Strecke Kall–Hellenthal (1885) wurde das Wirtschaftsgebiet verkehrlich aufgeschlossen; der Ort Kall entwickelte sich stärker zum Industriestandort. |
| 1939–1945 | Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg | Im Zweiten Weltkrieg lag der durchschnittliche Zerstörungsgrad an Gebäuden in der Gemeinde nach Angaben der Gemeinde bei 50–70 Prozent; im Ort Kall als Knotenpunkt zweier Eisenbahnlinien und mehrerer Straßen wurden sogar 85 Prozent aller Gebäude zerstört. |
| 1988 | 750-Jahr-Feier und Römer-Kanal-Wanderweg | 1988 wurde die 750-Jahr-Feier zur urkundlichen Erstnennung begangen. Im selben Jahr wurde entlang der römischen Wasserleitung der Römer-Kanal-Wanderweg angelegt. |
| seit 1974 | Wappenrecht | Die Gemeinde Kall hat seit 1974 das Recht zur Führung eines Wappens und Siegels. Das Wappen verbindet die Wappen der Herren von Schleiden und der Herzöge von Jülich sowie die gekreuzten Pfeile der Abtei Steinfeld. |
| 1618–1648 | Dreißigjähriger Krieg | Die Gemeinde zählt den Dreißigjährigen Krieg neben dem Zweiten Weltkrieg zu den schlimmsten historischen Einschnitten mit Verwüstungen und Zerstörungen im Gemeindegebiet. |
| 1698 | Akten des Berggerichts Call | Im Staatsarchiv Düsseldorf liegen laut Gemeinde Akten des Berggerichts Call von 1698 zu Streitigkeiten zwischen den Grafen von Blankenheim und Jülich wegen des Bergwerks in Call. |
| 2016–2017 | Aufnahme in die Städtebauförderung | Nach Erarbeitung des integrierten Handlungskonzepts 2016 wurde die Gemeinde Kall Anfang 2017 in die Städtebauförderung des Landes Nordrhein-Westfalen aufgenommen; gefördert werden Maßnahmen im Programm „Kleine Städte und Gemeinden“ mit einem Fördersatz von 60 Prozent. |
| 2018–2019 | Haus der Begegnung | Das Haus der Begegnung wurde 2018 auf den Säulen Kultur, Bildung und Integration konzipiert und am 1. Februar 2019 eingeweiht. Nach der Flut 2021 wurde das Erdgeschoss wiederaufgebaut; die Einrichtung umfasst zwei Etagen mit insgesamt 640 Quadratmetern. |
| Juli 2021 | Flutkatastrophe | In der Nacht auf den 15. Juli 2021 traf die Flutkatastrophe die Gemeinde Kall schwer. Nach Angaben der Gemeinde kamen drei Menschen aus dem Gemeindegebiet ums Leben; Rathaus, Archiv und weitere Infrastruktur wurden erheblich beschädigt. |
| 14.09.2025 | Wahl von Bürgermeister Emmanuel Kunz | Am 14. September 2025 wurde Emmanuel Kunz zum Bürgermeister der Gemeinde Kall gewählt; er leitet die Verwaltung, Ratssitzungen und die Repräsentation der Gemeinde. Laut Bürgerinfo Kall trat er das Amt zum 1. November 2025 an. |
| französische Revolutionszeit / napoleonische Kriege | Französische Revolutionswirren und napoleonische Kriege | Die Gemeindegeschichte nennt die französischen Revolutionswirren und die napoleonischen Kriege ausdrücklich als weitere schwere Einschnitte, die die Gemeinde nicht spurlos überstanden habe. |
| 2012 | Kommunales Klimaschutzkonzept | Im Herbst 2012 wurde ein kommunales Klimaschutzkonzept beschlossen; die Vorstellung erfolgte am 22. November 2012 im öffentlichen Teil der Sitzung des Fachausschusses für Liegenschaften, Forst und Umwelt. Die Erstellung wurde im Rahmen der nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums gefördert. |
| 2015 | European Energy Award | Laut integriertem Handlungskonzept nahm Kall seit Ende 2012 am European Energy Award teil und wurde im Herbst 2015 als erste Kommune im Kreis Euskirchen für Klimaschutzaktivitäten ausgezeichnet. Seit März 2015 gibt es einen Klimaschutzmanager. |
| 28.06.2025 | 25. Eifeler Oldienacht | Am 28. Juni 2025 fand die 25. Eifeler Oldienacht der Hilfsgruppe Eifel und der PAPSTAR GmbH in Kall statt. Laut Gemeindebericht kamen rund 1.700 Besucher; vier Spendenschecks über je 50.000 Euro gingen an die DKMS sowie an Förderkreise für krebskranke Kinder an den Unikliniken Bonn, Aachen und Köln. |
| 1214 | Schriftliche Erwähnung Sistigs | Das Dorfentwicklungskonzept Sistig der Gemeinde Kall nennt eine Urkunde von 1214, in der Konrad von Schleiden der Abtei Steinfeld Einnahmen bestätigt und über den Gottesdienst in der Kapelle Sistig berichtet wird. |
| 1774 | Sistig mit 65 Häusern | Laut Dorfentwicklungskonzept bestand Sistig in einem Verzeichnis aus dem Jahr 1774 aus 65 Häusern mit 288 Bewohnern und hatte damit bereits eine gewisse Bedeutung für die öffentliche Verwaltung. |
| 1904 | Pfarrkirche St. Stephanus in Sistig | Die katholische Pfarrkirche St. Stephanus in Sistig wurde 1904 erbaut und bildet zusammen mit der Alten Schule und dem Kirchplatz den heutigen Ortsmittelpunkt. |
| 1. Januar 1970 | Eingemeindung Sistigs | Am 1. Januar 1970 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Sistig nach Kall eingemeindet. |
| 1973 | Erster Flächennutzungsplan | Der erste Flächennutzungsplan der Gemeinde Kall stammt aus dem Jahr 1973 und wurde bis zur Neuaufstellung mehrfach geändert und berichtigt. |
| 12. August 2016 | Neuer Flächennutzungsplan wirksam | Nach Feststellungsbeschluss vom 17. November 2015 und Genehmigung der Bezirksregierung Köln vom 11. Mai 2016 wurde der neue Flächennutzungsplan der Gemeinde Kall mit öffentlicher Bekanntmachung am 12. August 2016 wirksam. |
| 1. September 2023 | Rezertifizierung der EifelSpuren | Am 1. September 2023 wurden auf der Urlaubsmesse Caravan Salon in Düsseldorf unter anderem die Kaller EifelSpuren „Heideheimat“ und „Pingenwanderweg“ erneut für drei Jahre als Qualitätswege Wanderbares Deutschland ausgezeichnet. |