Gründung und Alter
Die heutige Stadt Nideggen entwickelte sich aus einer Siedlung bei der Höhenburg Nideggen der Grafen von Jülich. Die planmäßige Stadtanlage wurde zwischen 1283 und 1313 als zusätzlicher Befestigungsgürtel für die Burg angelegt; die Stadterhebung erfolgte am Weihnachtstag 1313. Graf Gerhard von Jülich, seine Frau Elisabeth von Brabant und sein ältester Sohn Wilhelm verliehen dem Ort die städtischen Freiheiten. Nach baukunst-nrw gründete Gerhard von Jülich unterhalb der Burg eine Siedlung mit dem Namen „Nydeckin“ und verlieh ihr 1313 die Stadtrechte. Das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland beschreibt die stadtgeschichtliche Bedeutung Nideggens im bis heute nachvollziehbaren Ausbau einer mittelalterlichen Residenz und nennt die Anfang des 14. Jahrhunderts vor der Burg planmäßig angelegte und im Grundriss überkommene Stadtanlage.
Graf Gerhard von Jülich verlieh Nideggen am Weihnachtstag 1313 die Stadtrechte. Gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth von Brabant und seinem ältesten Sohn Wilhelm förderte er die Ansiedlung bei der Burg. In einem Privilegienbrief verpflichtete er zugleich seine Nachfolger, dieses Privileg dauerhaft zu achten. Zwischen 1250 und 1542 gewann Nideggen als Kraftzentrum der Grafen von Jülich Ansehen und Bedeutung. Laut EBIDAT begann etwa 1283 die planmäßige Anlage einer befestigten Siedlung östlich der Burg, der Graf Gerhard VII. von Jülich 1313 die Stadtrechte verlieh.
An den späteren Burgflecken schloss sich zwischen 1283 und 1313 die heutige Stadt als Befestigungsgürtel an. Nideggen war über Jahrhunderte mit der Burg ein Zentrum der Grafen und Herzöge von Jülich. Nach dem Tod Graf Adalberts von Maubach-Nörvenich 1177 erbte dessen Tochter Alveradis das Allodialgut; ihr Ehemann Graf Wilhelm II. von Jülich ließ darauf die Burg Nideggen errichten. Die Anlage diente zunächst der Verteidigung gegen Ansprüche Kaiser Friedrichs I., der 1171 auf dem gegenüberliegenden Burgberg die Reichsburg Berenstein erneuert hatte. Als Berenstein 1198 geschleift wurde, verwendete man deren Steine zum Weiterbau von Burg Nideggen. Das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland beschreibt die ab 1177 errichtete Burg ausdrücklich als Machtsymbol der Grafen von Jülich gegenüber der Reichsburg Berenstein und hebt Wohnturm bzw. Bergfried sowie die Palasarchitektur auf internationalem Niveau hervor. Nach dem Tod Wilhelms II. 1207 übernahm laut EBIDAT sein Neffe Wilhelm III. die Herrschaft über die Burg. Unter Wilhelm IV. verschlechterte sich das Verhältnis zu Kurköln bis zum offenen Konflikt. Seine Blütezeit erlebte die Burg unter Wilhelm V. von Jülich, der 1336 Markgraf und 1356 Herzog Wilhelm I. wurde. Nachdem 1393 Herzog Wilhelm I. von Geldern aus dem Hause Jülich die Herrschaft über das Herzogtum Jülich erbte, verlor Burg Nideggen laut EBIDAT ihre Rolle als bevorzugte Residenz und diente fortan als Verwaltungssitz eines jülichschen Amtes; Herzog Gerhard von Berg wählte das Haus später erneut zu einem bevorzugten Aufenthaltsort. Die Stadt und die Burg erlitten mehrfach schwere Zerstörungen, unter anderem im Geldrischen Erbfolgekrieg, im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 sowie durch französische Truppen und spätere Erdbebenschäden. Mit dem Einmarsch französischer Revolutionstruppen 1794 endeten das Herzogtum Jülich und das Amt Nideggen; die Burg wurde auf Abbruch verkauft und als Steinbruch genutzt. 1888 übernahm der Kreis Düren die Ruine; zwischen 1901 und 1906 erfolgten Sicherungs- und Wiederherstellungsarbeiten unter Ludwig Arntz. Unter preußischer Herrschaft erfuhr Nideggen wieder einen wirtschaftlichen Aufschwung. Nach Verlust der Stadtrechte in französischer Zeit trägt Nideggen seit 1926 wieder den Titel Stadt. Im Zweiten Weltkrieg blieb nur elf Prozent der Gebäude unversehrt; der Wiederaufbau stellte den mittelalterlichen Charakter des Stadtkerns wieder her. Im Zuge der kommunalen Neugliederung 1972 wurden mehrere umliegende Orte eingegliedert. Am 14. Dezember 1963 erfolgte anlässlich der 650-Jahrfeier der Stadt die erste Eintragung in das Goldene Buch. Am 25. September 1996 wurde Nideggen in die Arbeitsgemeinschaft Historische Ortskerne Nordrhein-Westfalen aufgenommen; 2015 fusionierten die Arbeitsgemeinschaften zur AG Historische Stadt- und Ortskerne NRW. Der Rat der Stadt beschloss am 27. Februar 1996 die Denkmalbereichssatzung für den historischen Ortskern; der gesamte alte Ortskern bildet seither einen durch Satzung besonders geschützten Denkmalbereich. Seit 2021 wird das Bundesförderprojekt „Denkmallandschaft Nideggens Tore“ umgesetzt. 2013 wurde das 700-jährige Stadtrechtsjubiläum gefeiert. Das LVR-Amt für Denkmalpflege nennt neben Burg, Burgflecken und Stadtanlage auch substanziell nachgewiesene Standorte wichtiger Infrastrukturbauten wie Rathaus, Hospital (Im Altwerk 1), Stift (Christinenstift) und Burgmannshof (Bewershof) sowie Baubefunde zur mittelalterlichen Verteidigungstechnik im Zeitraum etwa 1180 bis 1350.
| Jahr | Titel | Beschreibung |
|---|---|---|
| 1177–1191 | Bau der Burg Nideggen | Graf Wilhelm II. von Jülich ließ in diesem Zeitraum die Burg Nideggen errichten. Der älteste erhaltene Teil der Anlage ist der Bergfried. Die Burg blieb bis ins 15. Jahrhundert Residenz der Jülicher Grafen. Nach EBIDAT liegt die Gründung zwischen 1177 und 1190 und hängt mit dem Erbe der Alveradis von Maubach-Nörvenich zusammen. Laut baukunst-nrw wurde die Burg unter Wilhelm II. von 1177 bis 1180 zunächst mit dem Bau eines Wohnturms begonnen. |
| 1313 | Verleihung der Stadtrechte | Graf Gerhard von Jülich, Elisabeth von Brabant und der älteste Sohn Wilhelm verliehen Nideggen am Weihnachtstag 1313 die Stadtrechte. Etwa zeitgleich entstand die heute noch weitgehend erhaltene Stadtbefestigung. |
| 1542 | Zerstörung im Geldrischen Erbfolgekrieg | Im Geldrischen Erbfolgekrieg unter Kaiser Karl V. wurde die Burg Nideggen zerstört und verfiel in der Folge weiter. baukunst-nrw spricht vom Dritten Geldrischen Erbfolgekrieg und der Zerstörung großer Teile der Anlage. |
| 1926 | Erneute Stadtrechte | Nach dem Verlust der Stadtrechte in französischer Zeit trägt Nideggen seit 1926 wieder den Titel Stadt. |
| 1972 | Kommunale Neugliederung | Im Rahmen der kommunalen Neugliederung wurden die Ortschaften Abenden, Berg-Thuir, Brück, Embken, Muldenau, Rath, Schmidt und Wollersheim in die Stadt Nideggen eingegliedert. |
| 1177–1219 | Bau der Pfarrkirche St. Johann Baptist | Ab 1177 wurde die katholische Pfarrkirche St. Johann Baptist als dreischiffige Emporenbasilika errichtet. Der Altar wurde zwischen 1180 und 1192 geweiht; der Bau entstand nach mehreren Planänderungen bis 1219. |
| 1282 | Übergabe der Kirche an den Johanniterorden | Ende 1282 schenkten die Grafen von Jülich die Kirche dem ansässigen Johanniterorden. In der Folge diente sie dem Jülicher Grafenhaus als Begräbnisstätte. |
| um 1340 | Bau des gotischen Palas | Wilhelm V. von Jülich, ab 1356 Herzog Wilhelm I., ließ die Burg um einen monumentalen gotischen Saalbau erweitern. Der Palas mit etwa 61 Metern Länge und 16 Metern Breite zählt zu den bedeutendsten gotischen Saalbauten der Rheinprovinz und war laut Stadt und baukunst-nrw mit dem Aachener Kaisersaal und dem Kölner Gürzenich vergleichbar. Vom zweigeschossigen gotischen Palas aus dem Jahr 1347 haben sich laut baukunst-nrw die östliche Stirnwand sowie die talseitige Südwand erhalten. |
| 1678–1689 | Kriegsschäden unter Ludwig XIV. und im Pfälzischen Erbfolgekrieg | Weitere Beschädigungen der Burg folgten durch Ludwig XIV. im Jahr 1678. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 nahm Nideggen erneut große Schäden. |
| 1878 | Erdbebenschäden an der Burg | Ein Erdbeben im Jahr 1878 beschädigte die bereits geschwächte Burganlage zusätzlich. |
| 1909 | Erster Wiederaufbau als Burgenmuseum | 1909 wurde die Burg erstmals wieder aufgebaut und als Burgenmuseum genutzt. Diese Nutzung endete mit erneuter Kriegszerstörung im Zweiten Weltkrieg. |
| 1979 | Wiedereröffnung des Burgenmuseums | Seit 1979 besteht im Bergfried der Burg wieder das Burgenmuseum Nideggen und vermittelt mittelalterliche Burggeschichte und das Leben der Jülicher Grafen. Das Pförtnerhaus am Zwinger wurde laut baukunst-nrw 1979 rekonstruiert. |
| 2013 | 700 Jahre Stadtrechte | Unter dem Motto „Nideggen damals, heute und in Zukunft“ und der Schirmherrschaft von Wolfgang Niedecken feierte Nideggen das 700-jährige Jubiläum der Stadtrechtsverleihung. |
| 1190 | Urkundliche Nennung als Lehen und Offenhaus | Eine Urkunde von 1190 weist Nideggen laut EBIDAT als Lehen und Offenhaus der Kölner Erzbischöfe aus. Die Burgendatenbank nennt dies als frühe schriftliche Bezeugung der Burgexistence. |
| 1198 | Weiterbau mit Steinen der Reichsburg Berenstein | Als die Reichsburg Berenstein 1198 dem Erzbischof von Köln in die Hände fiel und geschleift wurde, verwendete man deren Steine laut EBIDAT zum Weiterbau von Burg Nideggen. |
| 1888 | Übernahme der Burgruine durch den Kreis Düren | Ab 1888 leitete der Kreis Düren Maßnahmen ein, um die verwitternde Burg zu erhalten. EBIDAT und baukunst-nrw nennen die Übernahme der Ruine durch den Kreis Düren als Ausgangspunkt der späteren Sicherung. |
| 1901–1906 | Sicherung und Wiederaufbau unter Ludwig Arntz | Zwischen 1901 und 1906 wurde die Anlage unter Ludwig Arntz umfangreich gesichert und wiederaufgebaut. Laut baukunst-nrw wurde der Bau bereits ab 1901 als Heimatmuseum genutzt. |
| 1242 | Haft des Erzbischofs Konrad von Hochstaden | Erzbischof Konrad von Hochstaden wurde laut EBIDAT 1242 auf Burg Nideggen für mehrere Wochen in Haft gehalten. Die Haft steht im Kontext der Auseinandersetzungen zwischen den Grafen von Jülich und Kurköln. |
| 1267–1271 | Haft des Erzbischofs Engelbert II. von Falkenburg | Erzbischof Engelbert II. von Falkenburg saß laut EBIDAT zwischen 1267 und 1271 drei Jahre im Verlies der Burg Nideggen. Die Stadt nennt ihn gemeinsam mit Konrad von Hochstaden und Ludwig von Bayern als prominenten Gefangenen. |
| 1336–1356 | Aufstieg Wilhelms V. zum Markgrafen und Herzog | Wilhelm V. von Jülich wurde 1336 zum Markgrafen und 1356 zum Herzog Wilhelm I. erhoben. In dieser Blütezeit erfolgte der repräsentative Ausbau der Burg zur Residenz. |
| 1953–1976 | Wappenannahme und Fortsatz am Jülicher Löwen | 1953 nahm die Stadt Nideggen das auf ein Siegel von 1666 zurückgehende Wappen ohne behördliche Genehmigung an. Nach dem kommunalen Zusammenschluss wurde die offizielle Genehmigung angesucht; 1976 wurde dem Jülicher Löwen ein stilisiertes Schwanzbüschel hinzugefügt. |
| 2016 | Weitere Stolpersteinverlegungen | Am 17. Juni 2016 verlegte der Künstler Gunter Demnig 16 weitere Stolpersteine in Nideggen, Berg und Embken. Im heutigen Stadtgebiet wurden insgesamt 47 Stolpersteine an 17 Standorten verlegt. |
| 2022 | Einweihung des Mahnmals für die Opfer der NS-Diktatur | Am 8. Mai 2022 wurde das zentrale Mahnmal für die Opfer der NS-Diktatur in Nideggen am Zülpicher Tor eingeweiht. |
| 1393 | Verlust der bevorzugten Residenzfunktion | Nachdem Herzog Wilhelm I. von Geldern aus dem Hause Jülich 1393 die Herrschaft über das Herzogtum Jülich erbte, verlor Burg Nideggen laut EBIDAT ihre Rolle als bevorzugte Residenz und diente fortan als Verwaltungssitz eines jülichschen Amtes. |
| 1927 | Ehrenbürgerschaften und Höhere Schule | Am 25. Oktober 1927 wurden Paul Schaaff und Dr. Karl Jarres während der Einweihung der Höheren Schule Nideggen zu Ehrenbürgern ernannt. Schaaff wirkte als Landrat des Kreises Düren unter anderem am Burgaufbau und an der Förderung des Kur- und Fremdenverkehrs mit; Jarres war Hauptbefürworter der neuerlichen Verleihung des Stadttitels. |
| 1963 | 650-Jahrfeier und Goldenes Buch | Am 14. Dezember 1963 erfolgte anlässlich der 650-Jahrfeier der Stadt Nideggen die erste Eintragung in das Goldene Buch der Stadt. |
| 1996 | Aufnahme in die AG Historische Ortskerne | Am 25. September 1996 wurde die Stadt Nideggen in die Arbeitsgemeinschaft Historische Ortskerne Nordrhein-Westfalen aufgenommen. Im Juni 2015 fusionierten die Arbeitsgemeinschaften zur Arbeitsgemeinschaft Historische Stadt- und Ortskerne NRW. |
| 2021 | Start des Projekts Denkmallandschaft Nideggens Tore | Seit 2021 wird das Bundesförderprojekt „Denkmallandschaft Nideggens Tore“ umgesetzt. Es sieht Gestaltungs-, Sanierungs- und Umbaumaßnahmen zwischen den Stadttoren vor, einschließlich denkmalgerechter Sanierung der Stadtmauer und konzeptioneller Vorbereitung des Alveradisparks. |
| 2025 | Ehrenbürgerschaft für Gerald Fack | Am 1. Juli 2025 wurde Gerald Fack die Ehrenbürgerschaft der Stadt Nideggen verliehen. Die Stadt würdigte seinen langjährigen ehrenamtlichen Einsatz als Schiedsperson. |
| 1996 | Denkmalbereichssatzung für den historischen Ortskern | Der Rat der Stadt Nideggen beschloss am 27. Februar 1996 die Denkmalbereichssatzung für den historischen Ortskern. Nach Angaben der Stadt bildet der gesamte alte Ortskern einen Denkmalbereich und ist durch Satzung besonders geschützt. |
| 1998 | Trägerschaftswechsel beim Christinenstift | Bis zur Übernahme in die Trägerschaft der Seniorenhaus GmbH im Januar 1998 gehörte das Seniorenhaus Christinenstift den Cellitinnen zur hl. Gertrud in Düren. Das Haus liegt unterhalb der Burg am Rande der Altstadt und steht am historischen Standort eines früheren Kollegiatstifts. |
| 2018 | Schülerworkshop zum Europäischen Kulturerbejahr | Im Europäischen Kulturerbejahr 2018 wurde in Nideggen ein Schülerworkshop zur Stadt- und Mauergeschichte ausgerichtet. Das LVR-Amt für Denkmalpflege nennt den Workshop gemeinsam mit Teilinstandsetzungen am Mauerwerk der Burg und am Nytstor als Ausgangspunkt denkmalgerechter Sanierungen. |